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Die 1.Vorsitzenden des BUND Naturschutz und der BI Atomausstieg im Landkreis Cham äussern sich zu den VorgängenMüllverbrennung Schwandorf

Leserbrief an die Chamer Zeitung zum Beitrag „Radioaktive Partikel verschwinden nicht“, der sich mit dem Verbrennen des freigemessenen radioaktiven Mülls in der MVA Schwandorf befasst

Der Aussage des Landkreis-Sprechers Friedrich Schuhbauer, dass das Thema mit großer Sensibilität zu behandeln und eine Gefährdung der Bevölkerung auszuschließen ist, kann nur zugestimmt werden.

Allerdings haben sich die Delegierten des 120. Deutsche Ärztetages in einer Entschließung gegen die Freigabe gering radioaktiven Atommülls ausgesprochen und vor der Verharmlosung möglicher Strahlenschäden gewarnt. Nach ihrer Auffassung wird „die Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten völlig unnötig und vermeidbar zusätzlichen Strahlenbelastungen ausgesetzt“.

Schon sehr geringe Strahlendosen können gesundheitliche Schäden verursachen. Das zeigen die Ergebnisse einer ganzen Reihe von Untersuchungen aus verschiedenen Ländern. So wurde z.B. bei Säugetierzellen festgestellt, dass die Mutationsauslösung bei einer sehr niedrigen Dosisleistung am größten war. Ein Zusammenhang zwischen Kinderkrebs und der Nähe des Wohnorts zu einem Atomkraftwerk (AKW) wurde bei einer der weltweit größten Studien (Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken = KiKK) festgestellt. Im 5-km-Nahbereich war die Leukämierate um 118 % erhöht, obwohl der Mittelwert der Strahlenexposition Erwachsener im Umkreis deutscher AKW unter 0,1 Mikrosievert liegt. 

Der Vergleich des für den „freigemessenen“ Müll (künstliche Radioaktivität) festgelegten Grenzwertes von 10 Mikrosievert mit der natürlichen Strahlenbelastung von ca. 2100 Mikrosievert mag für den Leser beruhigend erscheinen, ist jedoch aus wissenschaftlicher Sicht in der biologischen Strahlenwirkung nur dann vergleichbar, wenn die Stoffe in allen physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften übereinstimmen.  Hier gibt es mehr oder weniger große, zum Teil ganz erhebliche Unterschiede. Zudem werden bei der Festlegung des Grenzwertes die Daten eines „Referenzmenschen“ (jung, gesund, männlich) herangezogen, Ältere, Frauen, Kinder, Kleinkinder und Embryos, die zum Teil deutlich empfindlicher auf radioaktive Strahlung reagieren, werden dabei nicht berücksichtigt.

Die Müllverbrennungsanlage (MVA) Schwandorf befindet sich mit dem Landkreis Cham auf einer West-Ost-Achse mit überwiegend Westwind; d.h. dass der Landkreis auch überwiegend von den radioaktiven, wie auch anderen gesundheitsgefährdenden Bestandteilen der Abluft aus der MVA (z.B. Quecksilber oder Blei) betroffen ist. 

Es ist nicht nachvollziehbar warum in Schwandorf seit 2018 auch freigemessener radioaktiver Müll aus dem AKW Grafenrheinfeld mit verbrannt wird, obwohl hierfür keine Abnahmeverpflichtung besteht (weil außerhalb des Verbandsgebietes). Es fällt daher schwer hier einen sensiblen Umgang mit der Gefährdung der Bevölkerung durch radioaktive Strahlung zu sehen.

Wir appellieren an die den Landkreis Cham vertretenden Verbandsräte im Zweckverband der MVA Schwandorf – Herrn Landrat Löffler, Frau Bürgermeisterin Riedl sowie Herrn Reger – sich dafür einzusetzen, die Bürger im Landkreis vor zusätzlicher künstlicher Radioaktivität aus der MVA Schwandorf zu schützen.

Bürger, die hier selbst aktiv werden wollen können sich an die von ihnen gewählten Vertreter im Kreistag wenden, bzw. sich auf der Homepage der ÖDP Cham informieren und Listen zur Sammlung von Unterschriften herunterladen. Ein im Landkreis Schwandorf von der ÖDP eingebrachter sowie von den Grünen und der SPD unterstützter Antrag für einen Annahmestopp des freigemessenen radioaktiven Mülls wurde in der Schwandorfer Ausschusssitzung vom 12.10.20 abgelehnt. Bleibt zu hoffen, dass der von der ÖDP im Chamer Kreistag eingebrachte Antrag eine breitere Unterstützung findet.

 

Georg Kroner, 1. Vorsitzender                                                   Robert Kurzmann, 1. Vorsitzender

BI Bayerischer Wald gegen Atomanlagen                                BUND Naturschutz, Kreisgruppe Cham